Die Idee, die Familientage 2026 in Leipzig zu erleben, äußerte zuerst unsere Vorsitzende Margot bereits vor über einem Jahr. Der Arbeitskreis war einstimmig begeistert – und das war auch gut so! Warum waren wir da nicht schon eher drauf gekommen? Ein voller Erfolg! Danke Margot für diesen Vorschlag!
Die Antwort auf die Frage, was die 630 000 Einwohnerstadt Leipzig so besonders macht, ist nicht leicht zu geben, der Blickwinkel ist hier wohl entscheidend. Die historische Bedeutung in Bezug auf dort lebende Persönlichkeiten wie z.B. Bach, Goethe und Schiller ist hinreichend dokumentiert. Der Zoo ist u.a. überregional bekannt durch die Zoo-Doku-Soap Elefant, Tiger & Co. Dass man sich in der siebtgrößten Stadt Deutschlands sicher fühlen darf, beweist jede Woche neu die ZDF-Serie SOKO-Leipzig. Und nicht zu vergessen: der Fußballverein RB-Leipzig belegte in der Bundesligasaison 25/26 Rang 3.
Mein Favorit: das →Völkerschlachtdenkmal – es soll vor den verheerenden Folgen von Kriegen warnen. Rechtzeitig eingeweiht im Jahr 1913 konnte es den 1. Weltkrieg aber dann doch nicht verhindern. Heutige Politiker würden sicherlich den Architekten zumindest eine Teilschuld zuweisen: Mahnmal hat den Zweck nicht erfüllt – also Fehlplanung.
Freitag, 18. September – Anreisetag
Wer früh aufgestanden war und rechtzeitig im Hotel eingecheckt hatte, konnte außerhalb des Terminplans noch schnell Dinge erledigen, die nicht auf der Agenda standen.
Die Ortsgruppe Bokeloh stattete der →Deutschen Nationalbibliothek einen Besuch ab. Ziel war es, an Archivalien zu gelangen, die während der Bugra-Messe im Jahr 1914 von unserem Heimatdichter Friedel Peitmann ausgestellt wurden (Wilhelm machte neugierig in der →Chronik). Was wir bereits ahnten wurde bittere Wahrheit. Wie es scheint, sind diese Dokumente unwiederbringlich in den Wirren der beiden Weltkriege verloren.
Also trösteten wir uns mit der Aussicht auf einen schönen Stadtrundgang. Und dieser begann dann pünktlich mit allen angemeldeten und erschienenen Familienmitgliedern.
16:30Uhr Treffpunkt in der Nikolaikirche.
Andächtig lauschende Besucher bei der Hörprobe der renovierten Ladegast Orgel
Die Orgel der Nikolaikirche zu Leipzig wurde 1862 von dem Weißenfelser Orgelbaumeister Friedrich Ladegast erbaut. Nach mehreren Renovierungen – die letzte im Jahr 2024 – erleben wir heute ein Prunkstück mit einem Klangbild, das der damaligen Zeit von Bach ziemlich nahe kommen dürfte.
Weitere Einblicke geben uns die heutigen Nutzer und Betreiber in mehreren →Youtube Videos.
Nachdem die Ohren so viel Musikkultur verarbeitet hatten, wollten auch die Beine was zu tun bekommen. Es folgte ein kleiner Gang durch die Innenstadt. Direkt am Marktplatz wagten wir eine Etage tiefer einen Blick in ein Restaurant, das schon im 16. Jahrhundert seinen Gästen Wein ausschenkte – der →Auerbachs Keller. Ob das Hofbräuhaus in München oder dieses Wirtshaus mehr Berühmtheit erlangt hat, darf jeder für sich entscheiden.
Überliefert ist zumindest, dass Goethe in Auerbachs Keller während seiner jungen Studentenzeit – er hatte das 17 Lebensjahr vielleicht gerade erreicht – in einer Umgebung sozialisiert wurde, in der es noch keine schlagenden Studentenverbindungen im heutigen Sinne gab. Eine Ehrenangelegenheit mit einem Nebenbuhler wurde als Fechtduell im Rosental Park ausgetragen. Das war leider verboten und Goethe bekam Hausverbot in seiner Stammkneipe – allerdings nur kurzzeitig. Man gut, sonst wäre sein Meisterwerk über den Dr. Faustus vielleicht nie geschrieben worden, die Weltliteratur hätte sich anders entwickelt.

Ebenso hätte der Bildhauer Mathieu Molitor diese Bronzefigur ohne Aufhebung des Hausverbotes nicht erschaffen: Mephisto und Dr. Faustus verzaubert die Studenten, die sich in Auerbachs Keller nach ihrem täglichen Lernpensum noch ein Gläschen Wein gönnten.
Die Enthüllung der Skulptur geschah im selben Jahr, als das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht wurde – ein Zufall?
Alle Informationen zum Thema Goethe und Auerbachs Keller lieferte ein kleines Smartphone mit der KI von Google im Vorbeigehen und führte uns direkt zu →Bartels Hof, dem Lokal, das uns einen geselligen Abend bescherte und mit reichlich gutem Essen versorgte.
Samstag, 19. September
Direkt am neuen Bach-Denkmal wurde die →Thomaskirche in der Mitte des 12. Jahrhunderts als romanische Marktkirche errichtet. Dort wartete ein Bus mit einer Stadtführerin, die uns die Stadt näher bringen sollte – ganz bequem, man musste nur den Kopf in alle Richtungen bewegen können.
Eine kurze Fototerminpause am Völkerschlachtdenkmal und schon ging es wieder zurück zum Ausgangspunkt.
Die 2 Stunden Gehirntraining im Bus waren sehr intensiv, aber auch sehr kurzweilig. So lernten wir die wesentliche Teile von Leipzig im Zeitraffer kennen.

Das Hochhaus wurde übrigens bereits 1972 erbaut und wird im Volksmund auch Weisheitszahn genannt. Wäre schön, wenn dieser noch länger erhalten bliebe.

Alle Teilnehmer begaben sich mit dem sicheren Gefühl in ihre Gemächer, dass wir uns im nächsten Jahr wiedersehen werden.
Ach ja, das muss noch erwähnt werden: eine Abstimmung in der Hotelbar hatte ergeben, dass der nächste Veranstaltungsort Mainz sein soll.
Sonntag, 20. September – Abreisetag
